Die Keratoprothese

Wenn die Hornhauttransplantation nicht ausreicht

Die Keratoprothese ist eine künstliche Hornhaut, die bei Patientinnen und Patienten mit schwersten Erkrankungen der Hornhaut und der Augenoberfläche eingesetzt werden kann. Sie stellt eine wichtige Behandlungsoption dar, wenn eine herkömmliche Hornhauttransplantation nicht möglich ist oder bereits wiederholt fehlgeschlagen ist.

Moderne keratoprothetische Verfahren ermöglichen ausgewählten Patienten die Wiederherstellung des Sehvermögens selbst in Situationen, in denen konventionelle chirurgische Verfahren keine ausreichende Erfolgsaussicht mehr bieten.

An der Klinik für Augenheilkunde an dem Universitätsklinikum Düsseldorf werden verschiedene keratoprothetische Verfahren angewendet und weiterentwickelt. Die Auswahl des geeigneten Verfahrens erfolgt individuell auf Grundlage der zugrunde liegenden Erkrankung, der anatomischen Voraussetzungen und der bisherigen Behandlungsverläufe.

Für die bestmögliche Versorgung kooperieren wir z. B. UKD-Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, UKD-Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie oder UKD-Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Aufnahme.

Wann kommt eine Keratoprothese in Betracht?

Eine Keratoprothese kann insbesondere bei folgenden Erkrankungen und Situationen erwogen werden:

  • Mehrfach fehlgeschlagene Hornhauttransplantationen
  • Schwere Verätzungen und Verbrennungen des Auges
  • Endstadien schwerer Erkrankungen der Augenoberfläche
  • Schweres okuläres Pemphigoid
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Ausgedehnte Limbusstammzellinsuffizienz
  • Schwere vaskularisierte Hornhautnarben
  • Ausgewählte angeborene oder erworbene Hornhauterkrankungen

Jeder Fall erfordert eine sorgfältige individuelle Beurteilung durch erfahrene Spezialisten.

Boston Keratoprothese (Boston KPro)

Boston-Keratoprothese (Boston KPro) nach erfolgreicher Implantation. Die zentrale optische Komponente ermöglicht den Lichteintritt durch die künstliche Hornhaut.

Die Boston Keratoprothese ist heute weltweit das am häufigsten eingesetzte künstliche Hornhautsystem.

Sie besteht aus einer zentralen optischen Komponente aus biokompatiblem Material, die in ein Hornhauttransplantat integriert wird. Das Verfahren bietet insbesondere Patienten mit hohem Risiko für das Versagen einer herkömmlichen Hornhauttransplantation die Möglichkeit einer visuellen Rehabilitation.

Typische Einsatzgebiete

  • Wiederholtes Versagen von Hornhauttransplantaten
  • Schwere Hornhautvernarbungen
  • Bestimmte Formen der Limbusstammzellinsuffizienz
  • Komplexe Erkrankungen der Augenoberfläche

Besondere Merkmale

  • Langjährige klinische Erfahrung weltweit
  • Gute funktionelle Ergebnisse bei sorgfältiger Patientenauswahl
  • Lebenslange augenärztliche Nachsorge erforderlich

Osteo-Odonto-Keratoprothese (OOKP)

Boston-Keratoprothese (Boston KPro) nach erfolgreicher Implantation. Die zentrale optische Komponente ermöglicht den Lichteintritt durch die künstliche Hornhaut.

Die Osteo-Odonto-Keratoprothese zählt zu den komplexesten rekonstruktiven Verfahren der Augenheilkunde.

Bei dieser Methode wird ein körpereigener Zahn mit umgebendem Knochengewebe verwendet, um die optische Komponente der Keratoprothese zu tragen. Dadurch entsteht ein biologischer Träger, der sich besonders für schwerste Erkrankungen der Augenoberfläche eignet.

Die OOKP wird vor allem bei Patienten eingesetzt, bei denen die natürlichen Schutzmechanismen der Augenoberfläche weitgehend zerstört sind.

Typische Einsatzgebiete

  • Schwere Verätzungen
  • Stevens-Johnson-Syndrom
  • Okuläres Pemphigoid
  • Endstadien schwerster Erkrankungen der Augenoberfläche

Besondere Merkmale

  • Verwendung körpereigenen Gewebes
  • Langfristig stabile Ergebnisse bei geeigneten Patienten
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit weiteren Fachdisziplinen erforderlich

Tibiakeratoprothese

Die Tibiakeratoprothese stellt eine Alternative zur Osteo-Odonto-Keratoprothese dar.

Ist kein geeigneter Zahn vorhanden oder kann eine OOKP aus anderen Gründen nicht durchgeführt werden, kann körpereigenes Knochengewebe aus der Tibia (Schienbein) als Träger der Prothese verwendet werden.

Dieses Verfahren erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit schwersten Erkrankungen der Augenoberfläche und ermöglicht auch in komplexen Situationen eine individuelle Versorgung.

Typische Einsatzgebiete

  • Fehlende Eignung für eine OOKP
  • Fehlen eines geeigneten Zahnes
  • Ausgewählte schwere Erkrankungen der Augenoberfläche

Besondere Merkmale

  • Verwendung autologen Knochengewebes
  • Individuelle Anpassung an die klinische Situation
  • Alternative rekonstruktive Strategie bei ausgewählten Patienten

Nachsorge und Pflege

Unabhängig vom gewählten Verfahren ist eine lebenslange augenärztliche Nachsorge erforderlich.

Regelmäßige Kontrollen dienen der Überwachung:

  • der Sehfunktion,
  • der Prothesenstabilität,
  • des Augeninnendrucks,
  • möglicher Komplikationen sowie
  • des langfristigen Behandlungserfolgs.

Die enge Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Zentren, den Patientinnen und Patienten sowie den zuweisenden Augenärztinnen und Augenärzten ist ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungskonzepts.

Pflege der Keratoprothese

Der langfristige Erfolg einer Keratoprothese hängt in erheblichem Maße von einer konsequenten Pflege und Nachsorge ab. Dazu gehören die regelmäßige Anwendung der verordneten Medikamente, die Einhaltung der Kontrolltermine sowie die sorgfältige Beachtung individueller Verhaltens- und Hygienemaßnahmen.

Detaillierte Informationen zur Pflege und Nachsorge finden Sie in unserem Patientenleitfaden:

→ Hinweise zur Pflege und Nachsorge bei Keratoprothesen

Individuelle Beratung

Die Entscheidung für eine Keratoprothese erfolgt stets nach umfassender Untersuchung und individueller Bewertung der klinischen Voraussetzungen.

Bei Fragen zur Eignung eines Patienten für eine keratoprothetische Versorgung oder zur Vorstellung in unserem Zentrum stehen wir Patienten sowie zuweisenden Kolleginnen und Kollegen gerne zur Verfügung.

→ Zur Kontaktseite